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Taquería Chaparro

taco, torta o burrito?


Berlin, 05.11.2015

Die mexikanische Küche kann sehr kompliziert sein. Über das ganze Land verteilt gibt es wahnsinnig viele Unterschiede, sowohl was die Zubereitung als auch die Zutaten angeht. Beim Kochen darauf einzugehen erfordert sehr viel Geduld und Fingerspitzengefühl. Wahre Kenner verstehen die mexikanische Küche jedoch auch ohne diesen Anspruch. Sie schaffen es, sich auf den wesentlichen Kern zu konzentrieren und das ist genau das, was Chaparro in Berlín-Kreuzberg unglaublich gut gelungen ist.

Authentisch mexikanisch essen in Kreuzberg

An einem Sonntag in Berlin litten wir einmal wieder an einem kleinen Kater. Wie so oft am Ende eines wild gelebten Wochenendes sah mein Kühlschrank ziemlich leer aus und ich fühlte mich nicht gerade motiviert zum selber kochen. Also trommelte ich ein paar Leidensgenossen zusammen und wir verabredeten uns zu einem Taco-Sonntag.

Chaparro ist ein kleiner Laden an der Wiener Straße. Er befindet sich gleich neben dem Görlitzer Park, den wir Berliner gerne “Görli” nennen und vom versierten Kenner als größter Open-Air Coffee-Shop Europas geschätzt wird.

Das Konzept des Restaurants ist eigentlich sehr einfach: es gibt wenige Hauptgerichte, die als Taco, Torta oder Burrito bestellt werden können. Komplettiert wird das Ganze durch leckere, authentische Soßen, Bier sowie richtig guten Mezcal.

Als erstes bestellten wir Quesadillas und Nopal-Salat - wobei ich hier von der Mehrheit überstimmt wurde, denn ich esse dauernd Quesadillas und Nopal, ein Kaktus, ist nicht gerade mein größter Traum für eine Katermahlzeit. Allerdings muss ich zugeben, dass Nopal eine sehr interessante Zutat ist: zum Einen spielt er eine wichtige Rolle im Gründungsmythos der früheren aztekischen Hauptstadt Tenochtitlan, dem heutigen Mexiko-Stadt. Laut einer Legende trug der Gott Huitzilopochtli den Azteken auf, ihre Zivilisation genau an der Stelle zu gründen, an der sie einen Adler sehen, der auf einem Nopal eine Schlange verspeist. Dieses Bildnis findet sich auch auf der Flagge des heutigen Mexiko.

Außerdem ist Nopal super gesund: es ist nicht nur reich an Ballaststoffen, was gut für die Verdauung ist, sondern es entählt auch die Vitamine A, B, B2, Chlorofil, Protein, Minerale und 17 verschiedene Aminosäuren. Nopal hilft, den Zuckerhaushalt zu stabilisieren und ist daher bei Diabethikern sehr beliebt. 

Normalerweise wird Nopal in Tacos gegessen - wie in unserem Fall als Quesadillas. Aber es gibt viele andere Arten, den Feigenkaktus zuzubereiten. Mein Vater zum Beispiel macht mit Nopal und verschiedenen Früchten gesundene Smoothies, genauso wie viele Straßenverkäufer, die damit werben, dass das Getränk beim Abnehmen hilft. Ich denke, das tut es auch, allerdings nur, wenn ihr euren Hunger nicht anschließend mit 10 Tacos stillt. Des Weiteren wird Nopal in Mexiko zu Frühstückseiern serviert, sowie als Beilage, in Suppen oder sogar als Dessert.

In Mexiko ist Nopal nichts Außergewöhnliches: er ist in jedem Supermarkt zu kaufen und immer im Angebot bei Street-Food und in Restaurants. Leider habe ich in Berlin noch keine frischen Nopales gefunden. Was es hier gibt, sind eingelegte Nopales, oft zusammen mit Jalapeños, Serrano-Chili oder anderem Gemüse, wie zum Beispiel Karotten.

In der Fortsetzung werdet ihr lesen, woran ihr sonst noch im Chaparros euren verkaterten Gaumen erfreuen könnt!